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White Privilege

Autor*in: Meieli
2 Minuten
White Privilege

Vor Kurzem haben wir einen Beitrag zugesandt bekommen, der inhaltlich sehr problematisch war, den wir aus diesen Gründen von der Plattform genommen haben. Der Artikel inspirierte mich dennoch dazu, diesen Beitrag über Privilegien von weißen Menschen zu schreiben. 

Privilegien sind im Endeffekt Vorrechte und Freiheiten. Menschen sind sich leider oft überhaupt nicht im Klaren darüber, welche Freiheiten und Vorrechte sie haben, weil sie diese als ganz selbstverständlich wahrnehmen. Der oben erwähnte Beitrag erzählte beispielsweise die persönliche Geschichte eines geflüchteten jungen Mannes und beinhaltete gleichzeitig ein Urteil über seine Geschichte und seine Person. Ich unterstelle der Autorin keine böse Absicht, aber frage mich, mit welchem Recht sie eine fremde Geschichte gekoppelt mit ihrem vermessen Urteil wie ganz selbstverständlich veröffentlicht? Es geht um Vorrechte und Freiheiten, Freiheiten und Vorrechte, die manche Menschen eben nicht haben. In letzter Zeit häufen sich bei mir Ereignisse, bei denen das Thema Privilegien eine Rolle spielt. Kürzlich erst wurde ich zu einer Veranstaltung eingeladen, in der ein weißer älterer Cis-Mann[1] einen Vortrag zum Thema Deutungshoheit hielt. Die Frage nach dieser hatte sich für mich eigentlich schon geklärt, nachdem ich die Person in der Online-Veranstaltung sah. Seinen Unmut bezüglich „Empfindsamkeiten“ von weiblich gelesenen Personen über das Thema Gendern und die Präsentation seines selbstbedruckten T-Shirts mit der Aufschrift „Every Lives Matter”, als Antwort auf die Black Lives Matter Bewegung bestätigten meinen anfänglichen Verdacht, wer in diesem Kontext wieder einmal den Anspruch und ganz offensichtlich auch die Genehmigung zur Beanspruchung der Deutungshoheit besitzt. Folgende Fragen stellen sich mir, warum wurde nicht jemand mit Expert*innen Wissen als Referent*in eingeladen? Warum wird einer nicht betroffenen Person, die sich nicht mal ansatzweise differenziert mit den Themen Rassismus und Diskriminierung auseinandergesetzt hat, eine Position zugestanden, die die Richtung der Veranstaltung und Diskussion maßgeblich lenkt? Warum wurde nicht schon im Vorfeld bemerkt, dass allein die Einladung des Referierenden die Frage der Deutungshoheit beantwortet? Wenn wir von Privilegien sprechen, dann geht es auch um Verantwortung, nämlich wie gehe ich als privilegierte Person mit meinen Privilegien um? Mir fällt an der Stelle der Spruch ein: “ Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!”, finde ich in dem Zusammenhang sehr passend und wichtig, aber leider oft unterschätzt, denn wenn wir etwas nicht wissen, können wir durch zuhören, dazu lernen, vorausgesetzt, wir sind auch offen und lernbereit. Das bedeutet dann auch, seine Privilegien abzugeben und einer anderen Person mit Expert*innen Wissen den Platz frei zu räumen, wenn einem nichts Besseres als die eigenen Empfindlichkeiten als weiße Person zu den besagten Themen einfallen.


 
[1] Cis-Mann= Person die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren ist und sich selbst als Mann identifiziert.

© Foto: Pixabay- succo