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Sie haben die Wahl!

Autor*in: Meieli
3 Minuten
Sie haben die Wahl!

Stellen Sie sich bitte mal vor, dass Sie demonstrieren gehen möchten, weil sie mit der Situation in ihrem Land nicht einverstanden sind. Sie haben das Privileg, dieses Instrument zur Meinungsäußerung zu nutzen, denn sie leben in einem demokratischen Land. Sie bemalen vielleicht einen Pappkarton zur Untermauerung ihrer Absicht und machen sich auf den Weg zur Demonstration. Während sie mit den anderen Demonstranten*innen mit marschieren, bemerken Sie hier und da eine Flagge, die der rechten Szene zuzuordnen ist. Dabei denken sie sich vielleicht noch nichts, also hören Sie den Redner:innen aufmerksam zu und bemerken, dass die Redebeiträge vermehrt rechtspopulistisches Gedankengut beinhalten. Sie gehören der politischen Mitte an und verachten rechtes, diskriminierendes und rassistisches Gedankengut. Was tun Sie also? Marschieren Sie weiter mit oder verlassen sie die Demonstration? Aus Ihrer Entscheidung lassen sich unterschiedliche Konsequenzen ableiten. Im Falle, dass Sie weiter marschieren, legitimieren und tolerieren Sie antidemokratische Werte. Entscheiden Sie sich jedoch dafür, die Demonstration zu verlassen, setzen Sie damit ein Statement gegen Rechts. Sie sind demnach nicht bereit, gemeinsam mit einem rechten Mob Hand in Hand auf die Straße zu gehen, Sie sehen, dass die Demonstration, die auf etwas ganz anderes abzielte, instrumentalisiert wird, für eine Sache, die Sie dank Ihrer Werte nicht vertreten können und wollen. Vielleicht fällt es während der Demonstration nicht groß auf, dass sie diese verlassen, aber mir fällt es auf, Betroffenen von rechter Gewalt und oder von Rassismus und Diskriminierung fällt es auf. Sie solidarisieren sich mit uns und all denjenigen, die sich gegen Rassismus, Diskriminierung und rechte Gewalt einsetzen. Ich habe dieses Beispiel gewählt, weil es meiner Meinung nach sehr schön veranschaulicht, wie leicht es sein kann, vermeintlich harmlose Dinge wie beispielsweise eine Demonstration Zweck zu entfremden.

Eine noch subtilere Art der Zweckentfremdung ist mir besonders in den sozialen Medien aufgefallen. Ich habe Freund*innen und Bekannte dabei beobachtet, wie sie zusammenhanglose der politisch Rechten einzuordnenden Redebeiträge teilten. Vielleicht denken jetzt einige: „Ist doch nicht so schlimm, wenn die Aussage den Kern des eigenen Empfindens bezüglich einiger politischer Entscheidungen widerspiegelt.“, und da möchte ich ganz vehement widersprechen. Jeder Klick, jedes Teilen und jeder Like schaffen mediale Präsenz für Parteien, die antidemokratische Werte vertreten, die veraltete Frauenbilder propagieren und rassistische und diskriminierende Haltungen haben und äußern. An dieser Stelle möchte ich noch ein Zitat von Angela Davis, die sich ihr Leben lang für Antirassismus stark machte und immer noch macht, zitieren: „In a racist society it's not even enough to be non-racist. We must be anti-racist." Übersetzt heißt das Zitat „In einer rassistischen Gesellschaft ist es nicht genug, kein*e Rassist*in zu sein. Wir müssen Antirassist*innen sein.“, treffender finde ich allerdings den Zusatz „in einer rassistisch sozialisierten Gesellschaft [...]“, ich gehe nämlich nicht davon aus, dass alle Menschen als Rassist*innen auf die Welt kommen. Und das war auch von Davis nicht gemeint. Eine Gesellschaft, die rassistisch sozialisiert ist, in der Rassismus so internalisiert ist, dass es „normal“ erscheint, dass Politiker*innen sich rassistisch, antisemitisch, antimuslimisch und diskriminierend äußern ohne Konsequenzen zu tragen, macht es dem einzelnen Menschen nicht gerade leicht, das Unrecht und die Gefahren dahinter zu erkennen. Das ist aber keine Ausrede, sich selbst und seine Denkmuster nicht zu hinterfragen. Vielmehr stellt es für mich einen Weckruf dar, auf die Straße zu gehen und mich den Demonstrationen anzuschließen, bei denen ich definitiv keine rechten Flaggen vorfinden werde.

© Foto: Pixabay